Tarifvertrag bäcker allgemeinverbindlich

Dieser Abschnitt konzentrierte sich bisher auf die Lohnstreuung innerhalb der einzelnen Tarifarten, d. h. die Lohnstreuung unter den Arbeitnehmern, die nicht unter Tarifverträge fallen, und die Lohnstreuung unter den Tarifverhandlungen. Die Ergebnisse können so interpretiert werden, dass sie veranschaulichen, was mit der Lohnungleichheit geschehen würde, wenn in einem Land die Tarifverhandlungen von der inexistenten zur vollständigen Deckung oder von der vollständigen auf die nicht abgedeckte Abdeckung übergingen. Das scheint natürlich extrem. Bei der Betrachtung weniger extremer Szenarien sollten auch Lohnunterschiede berücksichtigt werden, die zwischen Tarifbeschäftigten und Arbeitnehmern, die unter Tarifverträge fallen, und denen, die nicht sind, bestehen können. Solche Lohnunterschiede werden manchmal als Tariflohnprämie bezeichnet. Tarifsicherung – der Anteil der Arbeitnehmer, die unter Tarifverträge fallen –, der an die Mitgliedschaft in unterzeichnenden Arbeitgeberorganisationen und Gewerkschaften gekoppelt ist, aber auch an die Verlängerung von Vereinbarungen auf andere Unternehmen und Arbeitnehmer in einem Sektor. Voraussetzung für eine gut funktionierende Koordinierung der Lohnverhandlungen ist eine starke und repräsentative Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisation. Die Lohnkoordinierung erfordert ein hohes Maß an Vertrauen in und zwischen den Sozialpartnern und die Verfügbarkeit objektiver und gemeinsamer Informationen über die Arbeitsmarktsituation. Die Durchsetzung von Höchstlohnzielen ist nicht einfach, insbesondere wenn sich einige nicht handelbare Sektoren mehr leisten können als die vereinbarte “Kostenmarke”. Ibsen (2016[80]) hebt die Rolle der Vermittlungsgremien für das Funktionieren von Musterverhandlungen in Dänemark und Schweden hervor. In Dänemark kann die Vermittlungsinstitution die Zustimmung aller Abkommen in einer mehrheitspolitischen Gewerkschaftsabstimmung fordern, was potenzielle Überläufer effektiv in das Abkommen zwingt.

In Schweden funktioniert der Vermittlungsprozess eher durch Überzeugung, Benennung und Beschämung. Umgekehrt wird der Mangel an effektiven Vermittlungsgremien als einer der Gründe für den Rückgang der Musterverhandlungen in Deutschland angesehen. Der einzigartige Grad der Selbstregulierung durch die Sozialpartner unterscheidet die Koordinierung grundlegend von der Zentralisierung, die gemeinhin in Gesetzen oder Verordnungen geschrieben ist.